Student sein 2011. Studium, quo vadis?
Wie so vieles hat auch das Leben als StudentIn seine Sonnen- und Schattenseiten. Zu Letzteren gehören in jedem Fall überfüllte Hörsäle. Vor allem bei den „typischen" Studienrichtungen wie Jura und den Sozialwissenschaften kommt es oftmals zu Platzmangel, und das ist unbequem und ärgerlich. Auf der Fensterbank, der Treppe oder im Stehen ist keine rechte Konzentration für die Materie aufzubringen. Hinzu kommt, dass die große Anzahl von Studenten eine Betreuung durch die Lehrveranstaltungsleiter praktisch unmöglich macht. In grauer Vorzeit sprach Wilhelm von Humboldt noch von „gemeinsamem Forschen" an der Universität – davon kann heutzutage nicht mehr die Rede sein. Frontalvorträge stehen am Programm, Massenabfertigungen bei den Prüfungen sind nicht mehr Ausnahme, sondern die Regel. Ein weiterer Wermutstropfen für Studenten ist die finanzielle Belastung. An vielen Universitäten fallen Studiengebühren an, und das manchmal sogar schon ab dem ersten Semester. Sollte man die Mindeststudienzeit nicht einhalten, wird es erst richtig teuer, und man kann für die ersehnte Bildung tief in die Tasche greifen. Dabei wird oftmals übersehen, dass ein Großteil der Studenten neben dem Studium berufstätig ist – sie sind also Steuerzahler und kosten dem Staat nicht mehr als normale Berufstätige. Ein bedrückendes Bild also, das sich hier abzeichnet. Aber wenn man all diese Widrigkeiten überstanden hat, punktet man groß mit seinem akademischen Grad auf dem Arbeitsmarkt und erhält horrende Gehälter. Oder etwa nicht? Fakt ist, dass die Akademiker-Arbeitslosigkeit im Laufe der Jahre zugenommen hat, und der Taxifahrer mit Bachelor-Diplom ist keine Seltenheit mehr. Wozu also überhaupt studieren, möchte man fragen. Aus Liebe zur Bildung. Aus Interesse am Fach. Nicht des Geldes wegen, sondern als persönliches Anliegen. Mit dem richtigen Blickwinkel bietet das Studium viel Schönes: scheinbar endlose vorlesungsfreie Zeiten, Austausch mit Gleichgesinnten, die Gelegenheit, Bücher zu lesen, Orte zu sehen – und natürlich, sich nach Herzenslust in das Fach seiner Wahl zu vertiefen. Und dann wird aus studieren wollen auch ganz schnell studieren wollen.
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